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AutorThema: Linguistik
Claus David Beitrag vom 02-02-00 19:57     Profil einsehen von Claus David.   E-Mail senden an Claus David.  
Als ich begann, NLP zu lernen, war ich ein Bioenergetik- und Primärtherapeut: Viel Emotion und Schreien und Heulen also.

Ich wollte zusätzliche Werkzeuge zur verbalen Ansprache an Teilnehmer in Gruppen und an Klienten haben, sowie Werkzeuge zur kognitiven Verarbeitung und Integration.

Beides hat mir NLP so reichlich geboten, dass ich fast nur noch NLP mache.

Und mittlerweile stelle ich fest, dass auch die Linguistik im NLP eher rudimentär und erweiterbar ist.

Also: Es gibt im NLP
- das Meta-Modell der Sprache
- das Milton-Modell der hypnotischen Sprachmuster
- Muster der One-Line-Reframes (Sleight of mouth)
- Informationen über sinnesspezifische Sprache

weiterhin kenne ich:
- Quantum Linguistics von James, Overdurf, Silverthorn
- das Meta-Modell 3 von Chris Hall

und interessiere mich für:
- Clean Language nach David Grove
- Neuro-Semantics nach Michael Hall

außerdem gibt es die Cognitive Linguistic mit der Conceptual Metaphor Theory (Lakoff, Johnson e.a.) und der Blending Theory (Fauconnier, Turner, e.a.), die mir die Avantgarde der Linguistik zu sein scheinen.

Warum das Ganze?
Um mit einem Wort oder Satz beim Anderen oder bei mir selbst eine Veränderung bewirken zu können.
Um eine Sprache entwickeln zu können, die erweiterte Wahrnehmung und weitere Weltmodelle ermöglicht.

(wird fortgesetzt. Kommentare und Erweiterungen erwünscht.)
 Antworten
Claus David Beitrag vom 07-02-00 22:27     Profil einsehen von Claus David.   E-Mail senden an Claus David.  
Die nächste Frage wäre also: Wie ist unsere Sprache konstruiert?
Denn, wenn wir ein Modell der Sprache haben, können wir potenziell wahrnehmen, wo wir unsere Sprache so erweitern oder öffnen können, dass sich unser Weltmodell erweitert und unsere Wahrnehmung der Welt.
Warum? Weil uns das mehr Möglichkeiten eröffnet, Liebe und Bewusstsein in unserem Leben zu erfahren oder was immer uns das Wichtigste ist.

Was konstituiert also unsere Sprache?
Was sind die Elemente eines Satze oder Textes?

Ein Satz wird in einem Kontext gesprochen oder geschrieben.
Über diesen Kontext haben wir bereits ein , so dass der Satz im Wesentlichen Unterschiede zum Script mitteilt, denn Information ist das, was den Unterschied macht.
Der Satz besteht aus derÜberblendung von
Metaphern
. Die einzelnen Worte bestehen aus Wort-Metaphern der sinnlichen Wahrnehmung und rufen sinnespezifische Repräsentationen hervor.
Der Satz wird aus einer bestimmten Wahrnehmungspostion geäußert.
Der Kontext und die Wahrnehmungsposition geben dem Satz einen bestimmten Rahmen.
Der Satz hat eine syntaktische Struktur.
Der Satz enthält Vorannahmen, die nur implizit mitgeteilt werden.
Die Syntax und Semantik des Satzes enthält Eigenarten, durch die Information getilgt, verzerrt oder generalisiert wird, die Verletzungen im NLP-Meta-Modell.

Jedes einzelne Element eröffnet Möglichkeiten die Welt-Wahrnehmung und die Welt-Konstitution durch Sprache zu erweitern.

Birgit Bader Beitrag vom 08-02-00 18:20     Profil einsehen von Birgit Bader.   E-Mail senden an Birgit Bader.  
Hallo Claus,

ichbin gespannt auf die Fortsetzung. Die Literatur, die Du da wohl gerade liest, gehört nicht gerade zu meiner BEttlektüre. Deshalb freue ich mich immer, wenn jemand anders aus diesem Sachgebiet was zum Besten gibt - denn das Thema interessiert mich auch sehr.

Meine Spezialität ist mehr das Assoziative, oder wie sich die Struktur (Meta-Programme) Gestalt-et; ebenso Metaphern, die ich jetzt in meiner Tiefenpsychologieausbildung noch einmla auf ganz andere Weise erfahre.
Natürlich auch Reframes.Hier mein derzeitiger Lieblingsreframe:
Aggression ist die Fähigkeit, spontan, unberechenbar und hemmungslos auf etwas oder jemand zu reagieren.

Nachzulesen bei Peseschkian, Positive Psychotherapie.
Claus David Beitrag vom 15-02-00 21:24     Profil einsehen von Claus David.   E-Mail senden an Claus David.  
Danke Birgit, wie sich die Meta-Programme GESTALT-en, finde ich auch hochinteressant.

Im Moment bin ich noch bei Sprache. Sicherlich habe ich einige Komponenten vergessen, zum Beispiele aus der Semiotik stammende.

Ein wichtiges Instrument scheint mir die Chunking-Matrix zu sein. Das immaterielle Gebilde aus Begriffen, die entweder auf gleicher Abstraktionssufe sind, oder ein Detail sind, oder ein übergeordneter Begriff.

Es gibt mehrere Hinweise darauf, dass z.B. Schizophrenie ein Problem des Bewegens in der Chunking-Matrix ist. Dörner nennt es in "Bauplan für eine Seele" Überinklusivität, was so viel bedeutet, wie dem Detail-Chunk mehr Bedeutung geben als dem Oberbegriff und so die Orientierung verlierend.

Mit der Chunking-Matrix beschäftigen sich ausgiebig dieser Tage einige Linguisten und Programmierer, die Sprache simulieren wollen.
Denn sie ist eine Matrix der Metaphorisierung.

Der bekannteste dieser Forscher ist Douglas Hofstadter.

Das vielversprechendste Konzept scheint mir das von Veale zu sein:

Artikel dazu:
http://www.cogsci.ucsd.edu/~coulson/BlendTheme/tony/compblends.html

oder bei Veale:
http://www.compapp.dcu.ie/~tonyv/

Hier gibt es einiges interessantes für NLP!

(und vice versa, btw.)
Claus David Beitrag vom 18-02-00 20:51     Profil einsehen von Claus David.   E-Mail senden an Claus David.  
War erst das Wort oder erst der Gedanke?
!!??
Hat erst einer was gedacht und dann ein Wort dafür gefunden?
oder hatte einer ein Wort und konnte dadurch den ersten Gedanken fassen?

In der Linguistik gibt es "Mould"-Theorien und "Cloak"-Theorien.

Artikel dazu und zum Folgenden:
http://www.aber.ac.uk/~dgc/whorf.html

"Mould"-Theorie sagt: Ausgehend von der Mould-Metapher ("Mould" gleich "Form, Schablone"): Die Sprache gibt eine Form vor, in der sich das Denken einfügt.

"Cloak"-Theorie: Sprache ist wie ein "Cloak", ein Gewand oder Mantel, in den sich das Denken hüllt oder ausdrückt.

Die "Mould"-Theorie gewinnt zunehmend an Popularität durch die Anerkennung, welche die Sapir-Whorf-Hypothese bekommt.
Edward SApir, ein in Duetschland geborener ameirkanischer Professor für anthropologische Linguistik und sein Freizeit-schüler Benjamin Lee Whorf untersuchten besonders Indianer-Sprachen und kamen zu der Überzeugung, dass z.B: die Hopi durch eine von unserer teilweise sehr unterschiedlichen Sprache (die Hopi kennen keine Zeitformen von Verben) auch anders denken und wahrnehmen, in einem anderen Weltmodell leben.

Schärfster Kritiker dieses Modells ist auch der bekannteste Linguist unserer Tage und einer der Patenonkel des NLP, Noam Chomsky, da die Sapir-Whorf-Theorie seine "Cloak"-Theorie einer universalen Grammatik über den Haufen werfen würde.

Die Forschungsergebnisse rund um den Globus, wie auch die Eigenerfahrung, deuten für mich eindeutig darauf hin, dass Sprache in erster Linie eine Mould für das Denken ist, andere Sprache anderes Denken, und das also erst das Wort war und dann der Gedanke.

Was bedeutet das für unsere Neuro-Linguistik des NLP?
Das Meta-Modell der Sprache im NLP ist zweifellos ein "Cloak"-Modell; es ist ja auch von Chomsky inspiriert.
Es suggeriert, dass es eine Tiefenstruktur gäbe, eine wahre, ungefilterte Grammatik, ein von der syntaktischen Verkürzung nur schlecht ("Verletzt") wiedergegebenes wahres Denken.

NLP ist im Grunde aber eine "Mould"-Theorie, und die Sapir-Whorf-Theorie (wie natürlich auch die Cognitive Linguistic) würden dem NLP gut zu Gesicht stehen.
Denn die Erkenntnis der Submodalitäten und deren Veränderbarkeit bedeutet: andere Struktur der Repräsentation bringt anderes Denken.
Wie aber können wir unsere Sprache so verändern oder verflüssigen, dass sich unsere Denkmöglichkeiten und möglichen Weltmodelle erweitern?
Nicht gefunden! Beitrag vom 19-02-00 14:30    
Hallo Claus,

ich finde das Thema hier sehr spannend!

Du schreibst "Wie aber können wir unsere Sprache so verändern oder verflüssigen, dass sich unsere Denkmöglichkeiten und möglichen Weltmodelle erweitern?" Ich betrachte Kunst in jeder Form als eine Möglichkeit.

Und zum "Mold" / "Cloak" Konflikt: ist es einer (ein Konflikt, meine ich)?
könnte es nicht sein, daß wir beide Möglichkeiten haben, und in unterschiedlichem Umfang nutzen? Ich glaube, ich kenne aus meiner persönlichen Erfahrung beides. "Cloak": zuerst eine Bewußtheit, so ein Gefühl und das Bedürfnis da 'drauf rumzudenken' und schließlich Erleichterung, wenn einem eine Möglichkeit zur verbalen Wiedergabe einfällt (oder in Äußerungen von anderen über den Weg läuft), im Zweifelsfalle versuche ich auch, Inhalte, die ich sprachlich nicht kommunizieren kann 'mit Händen und Füßen' weiterzugeben. Und "Mold": ein sehr deutliches Beispiel ist das, was während des Tiermedizin-Studiums bei mir passiert ist: durch das Erlernen/Kennenlernen einer Nomenklatur zusammen mit den entsprechenden Theorien wurden bestimmte Fragen für mich erst denkbar und auch sinnvoll beantwortbar.

Ich gehe für meine Person davon aus, daß ich eher ein Cloak-Typ bin. Aber ich habe auch gemerkt, daß es Leute zu gibt, bei denen ich besser fahre, wenn ich sie als Mold-Typen behandle. Danke dafür, daß ich jetzt Wörter gefunden habe, die ganz gut auszudrücken scheinen, was ich empfinde. Oder hab ich da jetzt was falsch verstanden?? :-)
Claus David Beitrag vom 19-02-00 16:15     Profil einsehen von Claus David.   E-Mail senden an Claus David.  
Danke Eve,

Ja ich denke auch, dass die Kunst, und besonders die Dichtung, dafür zuständig ist Denken und Sprache "im Fluss zu halten".
Eines meiner absoluten Lieblingsbücher ist "Die weiße Göttin" von Robert Ranke-Graves, worin er beschreibt wie es noch im keltischen 12.Jahrhundert die Unterscheidung zwischen Dichtern und Spielmännern gab. Die Dichter, die jahrelang studiert haben mussten, waren zuständig für die Sprachmagie und kannten die Mythen und Mysterien Europas, die in symbolischen Zusammenhängen zueinander und zur Sprache standen. Die Dichter waren Priester der weißen Göttin, Mutter Erde, Alles. Die Spielmänner waren eher zuständig für Schwänke, Historien und Lustiges. Mit der Christianisierung und Profanisierung verschwand die Dichtung als Wort-Magie, bzw. wurde von den Spielmännern übrnommen.
NLP hat ja einen Vorläugfer in der General Semantic von Korzybski, der die Sprache vom starren, logischen Aristotelismus befreien wollte.

Ich denke auch, dass zwischen "Cloak" und "Mould", zwischen Denken und Sprache eine dialektische Wechselbeziehung besteht.
Es ist nur so, dass wir nicht denken können, wofür wir keine Worte haben, aber durchaus sprechen können, was wir noch nicht gedacht haben.

Interessant wird es, wenn wir die Sprache als Metaphorisierung auffassen, wie es die aktuelle Cognitive Linguistic tut. Der größte Teil des Sprech- oder Denkvorgangs ist damit ohne Form und Materie und quasi nicht formalisierbar. Bei grundlegenden Metaphern unseres Lebens wie "Zeit" wird das interessant.

Es ist sowohl Cloak als auch Mould, und es ist auch weder noch. Sowohl weder als auch noch!!

Die Zuni-Indianer z.B. kennen kein Wort für die Farbe "Orange", sie benennen es mit demselben Wort wie "Gelb". Die Frage ist, ob sie dieselbe Farbe wahrnehmen wie wir.

Im ersten Moment möchte man sagen: "Klar, Orange ist Orange! Sie nennen es eben nur 'rotes Gelb' oder 'Dunkelgelb'!" Wenn man sich aber gewahr wird, dass die Farbe als solche in der Realität nicht existiert, sondern in unserer Neurologie aus einem Muster digitaler Nervenimpulse konstruiert wird, könnte es sein, dass diese Konstruktionen individuell verschieden und veränderlich sein können. Und ist nicht auch die Farbwahrnehmung eines gelernten Kunstmalers, der Worte wie "Karmesinrot" oder "Florentiner Gelb! kennt, eine andere als die des Normalmenschen? Und hat sich unsere kollektive Farbwahrnehmung in den letzten 100 Jahren nicht evtl. auch so geändert, dass van Gogh zu Lebzeiten kein Bild verkauft hat und seine Werke auf Auktionen heute Millionen erzielen?
Claus David Beitrag vom 20-02-00 11:06     Profil einsehen von Claus David.   E-Mail senden an Claus David.  
Tja, ob die Zunis dasselbe Orange (die Farbe) sehen wie wir Europiden, werden wir nicht wissen.

Wenn man von einer Mould-Theorie ala Sapir-Whorf ausgeht, fragt man sich natürlich wie überhaupt neue Gedanken entstehen können. Und man fragt sich besonders, wie Theorien wie die Relativitätstheorie entstehen können, die weit über die "Mould" hinausgehen.
Die Relativitätstheorie ist durch zwei Phänomene ermöglicht: Sprache evolutioniert und es gibt eine besondere Sprache: die Mathematik.

Ein weiterer Faktor kommt hinzu: das Bewusstsein, das eventuell Wortevolution und Gedankenentwicklung steuert. Bewusstsein ist das große Thema in der wissenschaftlichen Welt und in der Philosophie dieser Tage, von David Chalmers als das "harte" Problem klassifiziert. Und da NLP nicht einmal die Linguistik (von Neuro-Linguistik ganz zu schweigen, es sind aber fürs Marketing gut geeignete Metaphern) gebacken kriegt, wollen wir so schwierige Fragen erst einmal schön außen vor lassen.

Also: Evolution der Sprache und Mathematik.
Einstein konnte die Relativitätstheorie nur entwickeln, weil Riemann die Mathematik und damit das Modell der Sichtweise erheblich erweitert hatte. Das heißt: Einsteins wissenschaftliche Sprache war so erweitert, dass er neue, revolutionäre Gedanken fassen konnte.
Und wie ist Riemann zu den Gleichungen gekommen? Er war ein Genie, bzw. in der Evolution der mathematischen Sprache war die trans-euklidische Geometrie einfach dran.

Die Normalsprache aber ist wesentlich behäbiger als die Mathematik der letzten 200 Jahre, so dass wir als Nicht-Mathematiker Schwierigkeiten haben, die Relativitätstheorie zu verstehen oder zu denken, von der Quantenmechanik ganz zu schweigen.

Die Normalsprache ist nach Korzybski sogar so dem Aristoteles verpflichtet, dass ein dem aktuellen wissenschaftlichen Weltmodell entsprechendes Denken unmöglich wird. Weshalb Korzybski, der ja den Begriff "Neuro-Linguistisches Programmieren" prägte die Sprache erweitern wollte. Ein interessantes Ergebnis der General Semantic Korzybskis ist das "E-prime", ein English in dem das Identität ausdrückend "ist" vermieden wird.

Das heißt: Es wäre eine lohnende kreative Aufgabe des NLP, Sprach- udn besonders Syntax-Erweiterungen zu entwickeln, die das Denken des Undenkbaren ermöglichen.

Und die gibt es ansatzweise auch schon:
- Quantum Linguistics (Tad James, Overdurf, Silverthorn)
- Meta-Modell 3 (Chris Hall)
- Diamond-Modell (Kaehr, Grochowiak)

Gerade bei dem Phänomen der "Zeit", und aus der anderen (übrigens dem aktuellen Wissenschaftsstand wesentlich näheren)Formulierung und Wahrnehmung der Hopis entstand ja Whorf's Arbeit, ist eine syntaktische und semantische Revolution nötig.

Die Time-Line-Arbeit Tad James berücksichtigt dieses IMO, die geradlinig auf dem Boden ausgelegte TL des Mainstream NLP könnte eine ungünstige "Mould" sein.

Denn es gibt keine Zeit und vor allem keinen Zeitfluss. Es gibt nur Jetzt.
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