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Lesezeichen [ Info senden # QR-Code ] Sa 24 Juni 2017 19:23:17


 Pressespiegel
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Connection-Serie: NLP.
   Teil 1: Grundlagen des Neurolinguistischen Programmierens.
   von Klaus Rentel

NLP - Bei den drei Buchstaben mag man an eine politische Partei denken, an eine neue Filmwiedergabetechnik oder an ein Computerbauteil. Auch die Aufschlüsselung des Kürzels - »Neurolinguistisches Programmieren« - wirft mehr Fragen auf als sie beantwortet. Was NLP einmal den progressiven Anstrich gegeben hat, kann in einem Umfeld, das auf Herzenswärme und ein eher durchgeistigtes Menschenbild Wert legt, leicht zum Wettbewerbsnachteil werden: Wer möchte schon gern mit Computern verglichen werden und sich »programmieren« lassen? Trotzdem hat sich NLP in weiten Bereichen der Wirtschaft und der Therapieszene als anerkannte Methode des Persönlichkeitstrainings durchgesetzt. Vielleicht ja einfach, weil es funktioniert. Und weil es mehr von der menschlichen Seele verstanden hat als manche andere romantischer klingende Verfahren. Klaus Rentel nähert sich in unserer neuen 4-teiligen Serie dem Erfolgsgeheimnis der Drei-Buchstaben-Methode

Das erste Mal habe ich bei einem Mentaltraining von NLP gehört. Interessant, dachte ich, habe ein Buch darüber gelesen und beschlossen, eine Ausbildung zu machen. Schließlich war das kompatibel mit Dingen, die mir damals, vor ungefähr acht Jahren, besonders wichtig waren: wirkungsvoller Kommunikation, Persönlichkeitsentwicklung und dem Erreichen von Zielen. Außerdem war das nette Erlebnis beim Mentaltraining noch recht präsent.

So saß ich denn in einer Frankfurter Psychologenpraxis und staunte, dass nur vier Menschen, genauer gesagt Frauen, meine Entscheidung teilten, bei diesem Trainer eine sogenannte Practitioner-Ausbildung, die erste Stufe der dreiteiligen NLP-Lehrzeit in Deutschland, anzugehen. Wir haben uns mit Sprachmodellen, mit Ankern und Wahrnehmungspositionen beschäftigt, uns aufeinander eingestellt, gelernt, wie man eine vertrauensvolle Beziehung fördern kann, wie man folgt und führt und wie man Trancen induziert. Gewiss war der Trainer kompetent, doch eine ziemliche Schlaftablette. Vielleicht waren wir deshalb am Schluss der Ausbildung nur noch zu dritt.

Neuro... was???

NLP-Practitioner. Wer seinen Freunden davon erzählt, muss sich auf Fragen einstellen, deren zufriedenstellende Beantwortung ein gehöriges Stück Arbeit ist. Neurolinguistisches Programmieren - ist das ansteckend? Eine Psychotechnik, mit der man Gedanken in den Kopf stanzt, textet die »Bild«.

So braucht man sich nicht über Fragen zu wundern wie »Neurotrallala Programmieren, hat das was mit Computern zu tun?« Hat es nicht, und hat es doch. Als NLP vor rund dreißig Jahren in den USA entstand (die Geschichte des NLP lesen Sie im nächsten Heft), fand man Gefallen an der Metapher, das menschliche Gehirn funktioniere wie ein Computer. Das ist nicht ganz verkehrt, schließlich wurde der Rechner ja zuerst gedacht und dann gemacht. Zugleich ist es, wenigstens aus heutiger Sicht, eine geradezu beleidigende Einschränkung für unsere geschätzte Schalt-, Denk- und Fühlzentrale, wenn auch im Kontext der Geschichte verzeihlich: Am Beginn des Industriezeitalters unterstellte man dem Hirn, wie eine Dampfmaschine zu arbeiten. Das hat durchaus noch seinen Charme, doch »Programmieren« geht dann doch zu weit. Der aufgeklärte Mensch hat nämlich etwas dagegen, programmiert zu werden, und, wenigstens behauptet er es, andere programmieren will er ebenso wenig wie sich selbst. Manipulation schwebt im Raum, und die alten Bilder vom Bühnenhypnotiseur steigen auf, der ahnungslose Leute dazu bringt, sich vor allen gründlich zu blamieren.

In Erklärungsnot geraten, beeilt sich der befragte NLP-Novize also mit der Klarstellung, Programmieren habe nichts mit Programmieren im technischen Sinn zu tun, sondern eher mit Verhaltenmustern oder eben Programmen, die wir gelernt haben, und die wir also auch verändern könnten, wenn wir es wollen; natürlich nur dann, wenn uns diese Automatismen einschränken. So gesehen: Ja, man kann sich umprogrammieren oder entprogrammieren, mit anderen Worten, sich mittels geeigneter Psycho-Techniken von ungeliebten Mustern befreien, sich aus freien Stücken in einen guten Zustand versetzen. Nichts weniger also, als Verantwortung fürs eigene Leben zu übernehmen, aktiv zu werden, die Opferrolle abzustreifen.

Die Sinne bestimmen das Verhalten

Und das mit dem Neurowiewardasgleich? Neurolinguistisch. Besser man nimmt jetzt Fachliteratur zur Hilfe: »Der Neuro-Teil des NLP würdigt die Idee, dass sich unser Verhalten aus den neurologischen Prozessen des Sehens, Hörens, Fühlens, Riechens und Schmeckens ableitet«. Weiter schreiben die englischen Trainer Joseph O'Connor und John Seymour, dass wir »die Welt durch unsere fünf Sinne erfahren, dass wir dieser Information Sinn und Bedeutung geben« - und dementsprechend handeln. Zum Begriff »linguistisch«: Das bedeutet, dass wir Sprache benutzen, um unsere Gedanken und Verhalten zu ordnen und zu kommunizieren. Zum »Programmieren« steht auch noch was da. Es bezieht sich auf Wege, die wir wählen können, um unsere Gedanken und Handlungen so zu organisieren, dass sie Ergebnisse erzielen. Aha.

Eine verhältnismäßig leichte Übung ist es, die Philosophie, das theoretische Fundament der Methode zu beschreiben, die in bester humanistischer Tradition steht. Im NLP gibt es sogenannte Vorannahmen, die wohl jeder Trainer den Teilnehmenden seiner Ausbildungen predigt. Und weil der NLPler in bewährter 68er Tradition gerne relativiert und nichts von Dogmen hält, folgt so sicher wie das Amen in der Kirche der weise Nachsatz, dass jene Vorannahmen nicht immer und überall zutreffen müssen, doch dass es nützen kann, sich so zu verhalten, als ob sie wahr wären. Dass letztlich nur die Anwendung in der Wirklichkeit Aufschluss gibt. Es lebe also die Praxis. Und es ist eine Einladung zum Abenteuer im weiten Land der Kommunikation und Selbstentwicklung.

Die Landkarte des Bewusstseins

Die Landkarte ist nicht das Gebiet, heißt es im NLP zuvorderst. Das Verhalten eines Menschen richtet sich nach seiner inneren Karte, seinem persönlichen Modell der Welt und nicht danach, wie es »da draußen« wirklich ist. Es gibt keine richtigen oder falschen Modelle der Welt, sondern lediglich solche, die individuell hilfreich oder weniger hilfreich sind, eine bestimmte Herausforderung zu meistern. Weil jeder Mensch einzigartig ist und eine Biografie hat wie sonst niemand, hat er auch sein eigenes, einzigartiges Modell der Welt. Diesem Modell folgend wählt er seine Gedanken und Handlungen aus, wobei er immer die beste ihm zur Verfügung stehende Wahl trifft. Wie jeder weiß, ist das für das jeweilige Umfeld längst nicht immer gut genug, doch wisse man, wenn der Mensch eine bessere Möglichkeit erkennt, wird er sie auch nutzen. Hier rät die NLP-Philosophie: Wenn etwas nicht recht funktioniert, mach was anderes.

Und wenn du nicht weißt, wie du zum Bahnhof kommst, stellst du dir einfach vor, du wärst schon da. Dann fragst du dich, wie du dort hin gekommen bist. Zweifellos gehört NLP zu den lösungsorientierten Verfahren. Am Anfang eines jeden Coachings oder Trainings nach der Methode steht eine genaue Definition des Zieles. Dabei bleibt es nicht beim möglichst mit allen Sinnen repräsentierten Soll-Zustand, sondern es werden eine Reihe Aspekte abgeklopft, damit das Ziel auch wirklich stimmig, im NLP-Jargon »ökologisch« ist (siehe Kasten).

Führen heißt Folgen

Überhaupt wird Stimmigkeit oder Kongruenz im NLP groß geschrieben. In der Kommunikation zeigt sich Kongruenz darin, dass Körpersprache, Stimme und Worte das selbe ausdrücken. In der Ausbildung lernt man genau darauf zu achten, wie sich der Partner bewegt, wie sich Stimme, Hautfarbe oder Atmung verändern, welche Worte er benutzt; der Fachausdruck dafür heißt Kalibrieren. Die Absicht und das Können vorausgesetzt, hilft Kalibrieren beim Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung, Rapport genannt. In Beratung, Verkauf oder Therapie geht ohne Rapport gar nichts. Augenkontakt, sprachliches Angleichen, vorsichtiges Spiegeln von Körpersprache, Atmung und Tonalität fördert den Rapport und damit den Erfolg der Kommunikation, denn: Nur wer folgen kann, kann auch führen. Menschen werden eher bereit sein zu folgen, wenn sie in ihrem Befinden abgeholt werden. Verweigern sie dem Führenden das Folgen, liegt es mit einiger Sicherheit daran, dass das Angebot inhaltlich oder formal nicht gepasst hat. Die Bedeutung einer Botschaft zeigt sich an der Reaktion.

In Beratung, Coaching oder Therapie gilt im NLP das Prinzip der erweiterten Wahlmöglichkeiten, was das persönliche Verhaltensrepertoire im jeweiligen Kontext angeht. Nur eine Möglichkeit zu haben, schließt Wahlfreiheit aus, bedeutet Zwang. Maximal zwei Möglichkeiten werden meist als Dilemma erlebt. Echte Wahlfreiheit gibt es ab drei Möglichkeiten aufwärts, und potenziell erfolgreich sind diejenigen, die über die meisten Wahlmöglichkeiten und die höchste Flexibilität im Denken und Verhalten verfügen.

Der Pawlowsche Mensch

Alles, was uns der angestrebten Wahlfreiheit näher bringt, nennt sich im NLP Ressource. Die - in manchem Kontext gewagte - Vorannahme lautet, jeder Mensch habe alle Ressourcen in sich, die zur gewünschten Veränderung notwendig sind, lediglich der Zugang fehlt. So gesehen sind Ressourcen der Schlüssel zum Erfolg; gelingt es, die richtigen Ressourcen zur richtigen Zeit an die richtige Stelle zu bringen, ist das Ziel so gut wie erreicht.

Hat man sie erst einmal erlebt, lassen sich Ressourcen immer wieder abrufen. Der Fachbegriff für dieses Verfügbarmachen heißt ankern. Ein Anker ist bekanntlich dazu da, ein Schiff zu befestigen, damit man es wiederfinden kann. Genauso dient der Anker im NLP dazu, einen inneren Zustand oder einen Gedanken wieder zu finden. Der Anker ist dabei der äußere Reiz, an dem das jeweilige Befinden »hängt«. Klassisches und vergleichsweise einfaches Beispiel aus der Wissenschaft ist der Pawlowsche Hund, dem ab einem bestimmten Punkt immer das Wasser im Mund zusammen lief (inneres Befinden), wenn die Glocke ertönte (äußerer Reiz), die für ihn gewöhnlich Fressen bedeutete. Alle Menschen haben Anker, die meist unbewusst funktionieren, wie die Erinnerungen, die an ein Lied oder an Urlaubsfotos geknüpft sind. Im NLP werden Anker bewusst und nutzenorientiert gesetzt. Und wer gründlich NLP macht, weiß, dass im Grunde alles seinen Nutzen, seine positive Absicht hat.

... Forts. in connection 6/2004 (Teil 2: Die Geschichte von NLP).

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Kasten 1: Zielrahmen im NLP

    Der Zielsatz beginnt mit Ich. Das unterstreicht Eigenverantwortung und die Macht, das Ziel selbst erreichen zu können.

    Das Ziel ist im Präsens formuliert, so, als wäre es bereits erreicht. Die attraktive Vorstellung motiviert, und die Energie fließt da, wo die Aufmerksamkeit ist.

    Das Ziel soll mit allen Sinnen erfahrbar und damit genießbar sein sowie klare Vorgaben enthalten, wo, wann und mit wem es erreicht werden soll.

    Ökologie ist die Frage nach den Wechselwirkungen mit anderen Personen, Zielen, Werten etc.: Welchen Preis zahle ich für das Erreichen des Zieles? Was bekomme ich? Welche Auswirkung hat das Ziel auf meine Beziehungen?

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Kasten 2: Vom Anfänger zum Trainer

    Die NLP-Ausbildung im deutschprachigen Raum gliedert sich in drei Bausteine (folgende Angaben nach den Richtlinien des DVNLP).

    Viele Anbieter veranstalten zum Kennenlernen Grundlagenseminare.

    Wer weiter machen will, entscheidet sich für die mindestens 130 Trainingsstunden umfassende Practitioner-Ausbildung, in der das wichtigste Handwerkszeug des NLP gelehrt und geübt wird. Die Techniken anwenden können und ihre Wirkung am eigenen Leib bzw. Geist erfahren geht dabei Hand in Hand.

    Nicht weniger lang dauert die NLP-Master-Ausbildung (2. Stufe), die die Kenntnisse und Fertigkeiten des Practitioners vertieft und ausbaut.

    Wer sich dann entscheidet, als Trainer oder Coach mit Gruppen zu arbeiten, findet in der NLP-Trainer-Ausbildung jede Menge Handwerkszeug, was das persönlichkeitsförderndes Vermitteln von Inhalten, die Erzeugung eines fruchtbaren emotionalen Zustandes bei der Gruppe (und sich selbst) sowie Führungskompetenz und Konzeption von Präsentationen und Lehrveranstaltungen angeht.

    In jeder Ausbildung werden Kenntnisse und Fertigkeiten in einem schriftlichen und praktischen Testing überprüft.

    Wer selbst NLP nach den Richtlinien des Verbandes lehren und zertifizieren will, benötigt die Anerkennung als NLP-Lehrtrainer. Voraussetzung sind neben dem zertifizierten Besuch aller drei Ausbildungsbausteine eine gewisse Unterrichtserfahrung, Assistenz in NLP-Ausbildungen und diverse Fortbildungen in anderen, dem NLP verwandten Verfahren.

    Neben dem führenden deutschen NLP-Verband gibt es weitere nationale und internationale Organisationen, die Zertifizierung nach ihren Richtlinien anbieten. Zudem ist es möglich, NLP bei Trainern zu lernen, die keinem Verband angehören und nicht zertifizieren.

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Klaus Rentel, NLP-Trainer und Coach, Mediator, Journalist und Buchautor. Seminare vor allem in Kreativität, beruflichem und biographischem Schreiben, Kommunikation, Team-Management. Internet: www.klausrentel.de, E-Mail: info@klausrentel.de


Quelle: Connection 5/2004, S. 52-54.


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Der Inhalt dieser Seite wurde am 26.05.2016 um 09.45 Uhr aktualisiert.
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