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Lesezeichen [ Info senden # QR-Code ] Mi 29 März 2017 19:01:40


 Pressespiegel
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connection-Serie: NLP
Teil 2: Die Geschichte des Neurolinguistischen Programmierens - Methoden im Schmelztiegel

von Klaus Rentel

»Wirksamkeit ist das Maß der Wahrheit« heißt es in der hawaiianischen Huna-Philosophie. Es gibt wohl kaum eine Methode auf dem Therapie- und Lebenshilfe-Sektor, die sich so konsequent am Prinzip der Wirksamkeit orientiert wie NLP. Während humanistische und spirituelle Therapien zunächst auf einem Menschenbild und auf hohen Idealen fußen, fragt NLP nach den »Werkzeugen«, mit denen wir unsere inneren Bilder im Außen manifestieren können. Die Frage nach dem »Warum« der Therapie müssen sich die Klienten selbst stellen, NLP beantwortet lediglich die Frage nach dem »Wie« sehr detailliert. Daher ist Neurolinguistisches Programmieren auch eher eine »Promenadenmischung« aus unterschiedlichsten Einflüssen denn eine Methode aus einem Guss. Obendrein gibt es nicht - wie bei der Freudschen Psychoanalyse - einen einzigen Begründer; der Erfolg hat in diesem Fall viele Väter. Klaus Rentel dokumentiert die Zeugung und rollt die Geschichte von vorne auf

Mit dem Erfinden ist es so eine Sache. Wer sich Erfindungen genauer anschaut, merkt schnell, dass es die Komponenten, aus denen sie bestehen schon längst gegeben hat. Neu ist allenfalls die Kombination daraus. Auch das NLP ist keine Neuerfindung. Bereits 1933 verfasst der Mathematiker, Philosoph und Sprachwissenschaftler Alfred Graf Korzybski das Werk Science and Sanity, ein therapeutisches Modell, das wesentliche sprachwissenschaftliche Erkenntnisse und damals gängige biologische, neurobiologische und evolutionsbiologische Grundlagen zusammenfasst. Dieses Konzept steht gar nicht so weit abseits von dem, was die moderne Hirnforschung heute sagt.

Wie man Realitäten zurechtzimmert

Neurolinguistisches Training nennt Korzybski den Weg zu Gesundheit in einem ganzheitlichen Sinn, und es ist der Vorläufer zum Neurolinguistischen Programmieren. Wer NLP lernt, hört zwangsläufig irgendwann folgenden Lehrsatz Korzybskis, wenn auch nicht in solch komplizierter Formulierung: »Eine Landkarte ist nicht das Gebiet, das sie repräsentiert, aber wenn sie korrekt ist, ist sie in ihrer Struktur der Struktur des Gebietes gleich oder ähnlich, worin ihre Brauchbarkeit begründet ist«. Will sagen, der Mensch macht sich sein Bild von der Welt. Deckt sich diese Projektion einigermaßen mit der Realität (was immer das sein mag), so findet er sich ganz gut darin zurecht.
Sprache ist der wichtigste Helfershelfer beim Zurechtzimmern der Lieblingsrealitäten. Logisch also, dass die Begründer des NLP, der Mathematiker und Informatiker Richard Bandler und der Linguist John Grinder auf diesem Gebiet ihre größte Fundgrube aufgetan haben. Im Jahre 1975 stellen sich Bandler und Grinder eine schlaue Frage: »Was ist der Unterschied zwischen einem kompetenten Menschen und einem Genie, das auf demselben Gebiet überdurchschnittliche Ergebnisse erzielt?« Sie untersuchen die Arbeitsweise besonders erfolgreicher Therapeuten und arbeiten ihre effektivsten Strategien, Verhaltens- und Sprachmuster heraus. Ihre ersten Modelle sind Fritz Perls, der Begründer der Gestalttherapie, Virginia Satir, Begründerin der Familientherapie, und der renommierte Psychiater Milton H. Erickson, der eine neue Form der therapeutischen Hypnose- und Kurzzeittherapie entwickelt hat. Später folgen weitere erfolgreiche Persönlichkeiten aus Therapie, Wirtschaft, Politik und Kultur.

Das Erfolgsgeheimnis der »Großen«

Bandler und Grinder konzentrieren sich weniger auf den Inhalt der Gespräche zwischen Therapeut und Klient. Viel mehr liegt ihnen die Form der Kommunikation am Herzen, mit anderen Worten: Wie wird kommuniziert, nicht was. Schon bald finden sie Verblüffendes heraus: Perls, Satir und Erickson haben eine ähnliche Art, Fragen zu stellen. Zudem spiegeln sie mit ihrer Gestik die Körpersprache ihrer Klienten und begünstigen so eine vertrauensvolle Beziehung, ohne die übrigens keine Therapie und auch kein Beratungs- oder Verkaufsgespräch von nachhaltigem Erfolg gekrönt sein kann. Und sie machen die Entdeckung, dass sich an Wortwahl, Gestik und Mimik, sogar an den Bewegungen der Augen ablesen lässt, wie (nicht was) Leute denken und welche Sinnessysteme sie dabei benutzen. Alle drei Modelle, besonders Erickson, sind perfekt in der Wahrnehmung auch kleinster Veränderungen in der Physiologie ihrer Klienten und sie nutzen diese Fertigkeit fürs Erreichen des Therapieziels.
In puncto Sprache finden Bandler und Grinder zwei Modelle, die einander diametral gegenüber stehen, sich also perfekt ergänzen. Man stelle sich vor: Ein Politiker redet einem Journalisten gegenüber von großartigen und abstrakten Dingen. »Oberstes Ziel jeder Politik muss stets die Verteidigung unserer heiligsten Werte von Freiheit und Demokratie und die Wahrung von Sicherheit und Wohlstand für die Menschen in unserem Lande sein«. Der Journalist hat nun die Aufgabe, den Politiker festzunageln, indem er entsprechende Fragen stellt, die die weitschweifigen Worthülsen mit Inhalt füllen: Freiheit für wen und für wen nicht, wann und wo? Mit welchen Strategien soll wer Wohlstand für wen erreichen? ...

Wie Sprache hypnotisiert

Die Fragen des Journalisten dienen der Konkretisierung, die Information wird präziser, detailgetreuer und damit für die Sinne anschaulicher. Dieses im NLP so genannte Meta-Modell der Sprache hilft in Therapien und Beratungen, unbewusste Inhalte bewusst werden zu lassen, bewirkt also eine Klärung. Der Politiker in unserem Beispiel drückt sich kunstvoll-vage und unspezifisch aus; er greift auf Worte zurück, die im NLP der sogenannten Milton-Sprache zugerechnet werden. Milton deshalb, weil sie auf ihren Schöpfer Milton Erickson zurück geht. Auch dieses Sprachmodell hilft dem Klienten, »vergessene« oder unbewusste Erfahrungen und Ressourcen wieder zugänglich zu machen. Der Weg dorthin ist jedoch gegensätzlich.Während das Meta-Modell auf die Hilfe des analytischen Verstandes setzt, wirken die unbestimmten, hypnotischen Ausdrucksformen der Milton-Sprache direkt auf das Unbewusste. Ist sie ganz auf den Zuhörer zugeschnitten, so findet der die fehlenden Informationen selbst, indem er für die »großen Worte« eine für ihn persönlich hilfreiche Bedeutung findet. Erickson nutzte die unspezifische Sprache auch dazu, seine Klienten in Trance zu führen.

Begründer mit Sammlerfleiß

Richard Bandler und John Grinder sowie ihren Nachfolgern gebührt also das Verdienst, viel Nützliches zusammen getragen und kombiniert zu haben. Neben Alfred Korzybski und den drei Startherapeuten haben sie Anleihen gemacht beim Kulturanthropologen und Kommunikationsforscher Gregory Bateson (kybernetisches Denken, Ökologie), beim Linguisten und Sozialphilosophen Noam Chomsky oder dem Philosophen Hans Vaihinger (Erkenntnistheorie), bei Paul Watzlawick und Steve de Shazer (Kurzzeittherapie), Moshe Feldenkrais (Feldenkrais-Therapie) oder Frank Farelly (Provokative Therapie), womit die Liste längst nicht zu Ende ist. Daraus ist eine Sammlung wirkungsvoller Kommunikationswerkzeuge entstanden, deren Gebrauchsanweisung klar und nachvollziehbar gestaltet ist. Wer nicht völlig frei von kommunikativem Talent ist, kann NLP lernen und auf seinem Fachgebiet erfolgreich anwenden.Der Schmelztiegel NLP integriert auf unkonventionelle Weise Aspekte so unterschiedlicher Disziplinen wie Philosophie, Psychologie, Informatik, Kybernetik, Gehirnforschung, Systemtheorie, Linguistik, Hypnose oder Chaosforschung. Dieses Integrieren machte lange Zeit den Geist des NLP aus, wie ihn Generationen von Trainern weiter geführt haben: Erfolgversprechende Ansätze wurden gesammelt, das, was bei ihnen besonders gut funktioniert, herausgearbeitet und diePraxis nutzbar gemacht.

NLP kommt nach Deutschland

Weltweit gibt es heute über 20 Millionen NLP-Anwender. Nach Deutschland kam das NLP zu Beginn der achtziger Jahre durch Thies Stahl. Der Psychologe hatte unter anderem bei Virginia Satir gelernt und 1980 Bandlers und Grinders Grundlagenwerk Frogs into Princes (Neue Wege der Kurzzeittherapie) ins Deutsche übersetzt. Nach verschiedenen Trainingscamps bei den NLP-Begründern in den USA hat er 1983 die ersten 30 NLP-Practitioner ausgebildet.
Die Soziologin und Psychotherapeutin Gundl Kutschera brachte das NLP nach Österreich. Besonders in den vergangenen zehn Jahren hat sich die Methode im deutschsprachigen Raum weit verbreitet. Mittlerweile zählt allein der Deutsche Verband für Neuro-Linguistisches Programmieren über 700 Lehrtrainer mit der Lizenz, NLP-Ausbildungen zu zertifizieren.

Wer sich ins Thema NLP einlesen möchte, findet hier Elementarwissen:

  • Richard Bandler/John Grinder: Metasprache und Psychotherapie. Struktur der Magie 1, Junfermann
  • Richard Bandler/John Grinder: Struktur der Magie 2. Kommunikation und Veränderung, Junfermann
  • Richard Bandler/John Grinder: Neue Wege der Kurzzeittherapie, Junfermann
  • Robert Dilts/Richard Bandler/John Grinder/Judith Delozier (Hrsg.): Strukturen subjektiver Erfahrung, Ihre Erforschung und Veränderung durch NLP, Junfermann
  • Jeffrey K. Zeig/Milton H. Erickson: Meine Stimme begleitet Sie überall hin. Ein Lehrseminar mit M. Erickson, Klett Cotta
  • Fritz Perls: Grundlagen der Gestalttherapie, Pfeiffer
  • Gregory Bateson: Ökologie des Geistes. Geist und Natur, Suhrkamp
  • Joseph O'Connor/ John Seymour: Neurolinguistisches Programmieren, VAK
  • Anthony Robbins: Grenzenlose Energie, Norman Rentrop
  • Walter Ötsch/Thies Stahl: Das Wörterbuch des NLP, Junfermann
  • Deutscher Verband für Neuro-Linguistisches Programmieren (DVNLP): Denkanstöße. Info-Broschüre, kostenlos zu beziehen unter dvnlp@dvnlp.de oder Telefon 030-2593920
  • www.nlp.at: Frei zugänglich sind diverse Artikel übers NLP und ein umfangreiches Lexikon.
  • Multimind (NLP-Aktuell): Zeitschrift für professionelle Kommunikation. Hrsg: Junfermann-Verlag, Postfach 1840, 22048 Paderborn. Hier berichten vor allem NLP-Anwender über ihre eigene Arbeit.

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Klaus Rentel, NLP-Trainer und Coach, Mediator, Journalist und Buchautor. Seminare vor allem in Kreativität, beruflichem und biographischem Schreiben, Kommunikation, Team-Management. Internet: www.klausrentel.de, E-Mail: info@klausrentel.de


Quelle: Connection - Das Magazin fürs Wesentliche 6/2004, S. 52-55.


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Der Inhalt dieser Seite wurde am 26.05.2016 um 09.45 Uhr aktualisiert.
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