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Lesezeichen [ Info senden # QR-Code ] Fr 23 Juni 2017 00:14:05


 Pressespiegel
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Der Wandel des Herrn Dörfler

Imagekorrektur. Vom polternden "König der Fettnäpfe" zum konsensualen Politiker, der den Ortstafelstreit für immer beenden will.

Martin Behr Der Mann hat dazugelernt. Gerhard Dörfler, der im Oktober 2008 nach dem Unfalltod Jörg Haiders quasi über Nacht zum Landeshauptmann von Kärnten wurde, fiel lange Zeit höchstens durch rhetorische Schwächen, geschmacklose Witze , provinzielle Hemdsärmeligkeit, eine Hardliner-Haltung in der Ortstafelfrage und verbale Aggressionen gegen Asylbewerber auf. Seit einigen Monaten gibt es das Phänomen "Dörfler reloaded": Der Kärntner Landeshauptmann parliert in der ORF-Pressestunde, ohne ins Schwitzen zu geraten, reiht sich im Ortstafelstreit in jene ein, die um Konfliktlösung und Versöhnung bemüht sind, stolpert nicht mehr in jeden Fettnapf, sondern ist bemüht, Seriosität und Dialogbereitschaft zu signalisieren.Good cop, bad cop Vom heftig-deftigen Biertischcharmeur zum offenbar NLP-(Neurolinguistische Programmierung-)Geschulten, der – stets gut gebrieft – vom Wunsch beseelt zu sein scheint, als Fädenzieher bei der Lösung des Dauerproblems zweisprachige Ortstafeln zumindest in die carinthischen Geschichtsbücher einzugehen. Erst am Mittwoch bilanzierte Dörfler den Stand der Verhandlungen so: "Aufbruch zum Durchbruch". Die Schlagzeilen über Ortstafel-Verrückungen und andere trickreiche Verhöhnungen des Rechtsstaats sind vorerst Vergangenheit. So wie einzementierte Positionen. "Es gibt keine Gräben, die nicht überwindbar sind", sagt Dörfler heute.

Wobei Dörfler und seine FPK-Mannen bisweilen eine geschickte Good-cop-bad-cop-Strategie fahren. Im Schatten der neuen Liberalität tummeln sich mit den Gebrüdern Scheuch immer noch vergangenheitsorientierte Abwehrkämpfer, die ihre Klientel mit kernigen Aussagen befriedigen. Für den in Kärnten tätigen Sozialpsychologen Klaus Ottomeyer ist dies ein direkt auf die Politik Jörg Haiders aufbauendes "Doppelspiel": "Haider war unter anderem zugleich Elder Statesman und Hetzer gegen Minderheiten. Schillernder Seitenblickesstar und armer Bub. Das Schizoide ist in Kärnten eben ,part of the game‘." Ottomeyer ist sicher, dass der Wandel Dörflers in der Ortstafelcausa eine Reaktion auf die nach Haiders Tod "beschädigte Marke Kärnten" ist: "Man ist aus Eigennutz bemüht, das Skandalimage abzustreifen und ein neues Markenbild für nationale wie internationale Investoren zu kreieren. Wer siedelt sich schon in einem rückwärtsgewandten, minderheitenfeindlichen Land an?"

An eine unmittelbar bevorstehende Abnabelung Kärnten von der Haider-Ära glaubt der Sozialpsychologe, der das Buch "Jörg Haider – Mythos und Erbe" verfasst hat, nicht. Vielmehr würden die Versuche, sich der Zukunft anzupassen, noch einige Jahre von Realitätsverleugnung begleitet sein. Kritik an Haider sei ja immer noch ein Sakrileg. Klaus Ottomeyer: "Das ist wie bei einem Heiratsschwindler. Das von Zuneigung verblendete Opfer braucht viel Zeit, um sich selbst einzugestehen, missbraucht worden zu sein." Wie sich der Psychologe Haiders harten Kurs bei den Ortstafeln oder gegen tschetschenische Asylbewerber noch kurz vor seinem Tod erklärt? "Er wollte offensiv von den betrügerischen Machenschaften in seinem Umfeld ablenken."

Zurück zu "Gerhard Dörfler neu": Der ausgebildete Bankkaufmann und spätere Brauerei-Geschäftsführer trägt immer seltener die orange-blaue Straßenarbeiterjacke, mit der der Straßenbaureferent seine Solidarität mit den Hacklern symbolisierte. Aus dem Kopfschütteln rundum hat Dörfler auch hier die Lehren gezogen. Heute kleidet er sich vornehm-lich in Kärntner Tracht, auch smar te Tweedsakkos kommen zum Einsatz. "Er will ein Landesvater für alle Kärntner werden und auch bleiben", sagt Rolf Holub von den Kärntner Grünen. Laut Holub ist der heute 55-jährige Dörfler "langsam in die großen Schuhe eines Landeshauptmanns gewachsen". Bei den Ortstafeln habe Dörfler erkannt, dass das ewige Polarisieren keine Stimmen mehr bringe: "Die Luft ist draußen und deshalb agiert er heute staatstragend." Politische Beobachter in Kärnten sprechen von einer dringend notwendig gewordenen "Selbstresozialisierung" des Landeshauptmanns.

Der Kärntner SPÖ-Chef Peter Kaiser ist indes um Differenzierung bemüht. In der Ortstafelfrage mache Dörfler "einen guten Job", was aber eine Mindestanforderung an einen Politiker sein sollte.

In der Alltagsarbeit erkenne er aber keine positiven Veränderungen: "Es gibt immer noch die Unart des Drüberfahrens in Sachfragen, die Verklärung der haiderschen Schimäre-Politik und einen sich nicht geziemenden Ton, sobald die Kameras abgeschaltet sind." Kaisers Fazit: "Dörflers Erscheinungsbild ändert sich. Er selbst ist aber der Gleiche geblieben."


Quelle: Salzburger Nachrichten, 4. März 2011.


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Der Inhalt dieser Seite wurde am 26.05.2016 um 09.46 Uhr aktualisiert.
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